Geschichte der Praxis

Es ist die Geschichte eines Gründers, eines Radiologen der frühen Generation, eines Vordenkers und Machers, es ist die Geschichte eines personell und technisch wachsenden medizinischen Betriebes, aber auch eine geschichtliche Skizze der Radiologie, zunächst in Rheinland-Pfalz, im weiteren Verlauf im Kontext mit der weltweiten medizinischen Entwicklung. Sie beinhaltet die wechselnde Folge von medizinischem Notstand nach dem Krieg, von krankheitsbedingten Erfordernissen, Ideen, Idealismus, Pragmatismus und einer rasanten Entwicklung der medizinischen Technik. Ein Ineinandergreifen von medizinischen und technischen Sachverstandes mit ökonomischen Sachzwängen, klarsichtigen Analysen und weitsichtiger Vorausschau.

Dr. med. Alex von Essen

Dr. med. Alex von Essen

Dr. med. Alex von Essen

Der Gründer dieses Instituts, Herr Dr. med. Alex von Essen, wurde am 22.01.1908 geboren und absolvierte sein Medizinstudium in Freiburg, Bonn, München und Kiel. Sein medizinisches Staatsexamen und die Promotion erfolgten 1934 in Kiel, die klinische Ausbildung an den Universitäten Kiel, Bonn und Hamburg. Er war 10 Jahre Assistent und Oberarzt am Strahleninstitut des allgemeinen Krankenhauses St. Georg und somit Schüler von Herrn Prof. Dr. Herrmann Holthusen.

In Koblenz, wo er seit seiner frühen Jugendzeit aufgrund vieler Besuche sehr gut auskannte, hatte er sich 1947 um die Stelle des leitenden Arztes der Röntgenabteilung im Städtischen Krankenhaus Kemperhof in Koblenz beworben und die ausgeschriebene Stelle erhalten. Infolge der Kriegsereignisse war das Krankenhaus Kemperhof 1947 weit und breit das einzige Krankenhaus, in dem noch intakte Röntgengeräte standen und Strahlentherapien durchgeführt werden konnten.

Strahlentherapie im Krankenhaus Kemperhof (1947)

Strahlentherapie im Krankenhaus Kemperhof (1947)

Das Einzugsgebiet für das Städtische Krankenhaus Kemperhof war außergewöhnlich groß. Es reichte weit in den Westerwald, den Taunus, den Hunsrück und die Eifel hinein; Daun, Idar-Oberstein und Birkenfeld gehörten noch dazu. Bis zum Eintreten von Dr. von Essen in städtische Dienste gab es am Krankenhaus Kemperhof keinen eigenständigen Radiologen. Röntgenuntersuchungen und Strahlentherapien wurden durch die vom Haus angestellten Internisten und Chirurgen durchgeführt, die sich natürlich um ihre zusätzlichen Pfründe sorgten und Dr. von Essen den Aufbau der Röntgenabteilung erheblich erschwerten.

Es folgt jetzt in verschiedenen Etappen die Schilderung der Geschichte von den frühesten Anfängen der Strahlentherapie, deren Erfolg vom Funktionieren aus heutiger Sicht primitiver physikalischer Voraussetzungen und anatomischen Einfühlungsvermögen des behandelnden Arztes abhing, bis hin zu der heute minutiös genau rechnergesteuerten Bestrahlungsplanung, von Physiker und Arzt definierten computerüberwachten Bestrahlungsdaten.

Dazwischen steht der Ausspruch unseres radiologischen Vorfahren, Prof. Dumenil, Lehrer von Prof. Scherer in Essen: Man sollte nicht unterschätzen, wie erfolgreich eine Strahlentherapie sein kann, wenn der Tumor nur schon einmal genau mit den Strahlen getroffen worden ist.

Das im Städtischen Krankenhaus Kemperhof genutzte Strahlentherapiegerät stammte aus den 30er Jahren des letzten Jahrhundert. Die Bestrahlungszeiten wurden von Hand mit der Stoppuhr gemessen. Wie man aus frühen Statistik erkennen kann, verfügte das Krankenhaus über ein sehr großes Patientengut, wobei weit über 1000 Patienten pro Jahr bestrahlt wurden. Die ambulanten Patienten wurden vormittags bestrahlt. Die stationären Patienten, die im Westbunker des Kemperhofs untergebracht waren, wurden nachmittags bestrahlt, wobei sich die Besucher der Patienten stets einer Polizeikontrolle unterziehen mussten, da im gleichen Gebäudekomplex des Bunkers kranke inhaftierte Lebensmittelkartenfälscher behandelt wurden. Nach dem Wiederaufbau des Moselflügels 1952 wurden die Bestrahlungspatienten vom so genannten Waisenhaus in den Moselflügel verlegt. Im gleichen Jahr wurden erste Pendelbestrahlungen durchgeführt. Dr. von Essen hat die radiologische Diagnostik und die Strahlentherapie im Kemperhof erfolgreich zentralisiert und 1954 eine radiotherapeutische Bettenstation eingerichtet, die damals erste in Rheinland-Pfalz. Radiumpräparate mussten angeschafft werden, was nach dem Krieg sehr schwierig war. Da Dr. von Essen Beauftragter der Deutschen Röntgengesellschaft für die Neubeschaffung von Radiumpräparaten für die 3 westlichen Besatzungszonen war, konnte diese Hürde genommen werden. Die dem Land Rheinland-Pfalz übergebene Radiummenge wurde zu gleichen Teilen an die Städtischen Krankenanstalten in Koblenz und die Universität in Mainz geleitet.

Die private radiologische Praxis in Koblenz, Löhrstraße 100 (1951)

Die private radiologische Praxis in Koblenz, Löhrstraße 100 (1951)

Weil die unzureichenden apparativen Nachkriegsverhältnisse im Krankenhausbereich sich, auch aus finanziellen Gründen, nur sehr langsam ausgleichen ließen, hat Dr. von Essen 1951, nach Abstimmung mit der Stadtverwaltung, eine ergänzende private radiologische Praxis mit Sitz in Koblenz, Löhrstraße 100, gegründet.

Hier wurden nicht nur eine Vielzahl von Durchleuchtungen, Aufnahmen und Bestrahlungen durchgeführt, sondern auch die Feste gefeiert wie sie fielen.

Im Jahre 1966 zog die Praxis in beträchtlich erweiterte Räume in einen Neubau in der Emil-Schüller-Straße 29. Hier wurde dann die erste Telekobalt-Therapie-Anlage in Betrieb genommen. Eine wesentliche Voraussetzung für eine optimale Behandlung der Krebskranken unserer Region war somit erfüllt. Es war die erste Hartstrahl-Therapie-Anlage im Raum zwischen Mainz, Luxemburg und Gießen.

Einweihung der Praxiserweiterung in der Emil-Schüller-Straße 29 (1966)

Einweihung der Praxiserweiterung in der Emil-Schüller-Straße 29 (1966)

Die offizielle Einweihung erfolgte in Gegenwart des Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Herrn Dr. Peter Altmeier.
In einer anerkennenden Laudatio durch Herrn Prof. Dr. Dr. Boris Rajewski, seinerzeit Direkter des Max Planck-Instituts für Biophysik in Frankfurt, wurden besonders die Vorzüge unseres Gesellschaftssystems hervorgehoben, nach dem private Initiativen im Gesundheitswesen zum Nutzen der Patienten und zur Förderung wissenschaftlicher Erkenntnisse und praktischer Erfahrungen hier möglich sind. Es war stets der Wunsch von Dr. von Essen, auch in privater Initiative Fortschritt zu schaffen, den städtische oder staatliche Stellen, aus welchen Gründen auch immer, verzögerten. In den Städtischen Krankenanstalten selbst wurde übrigens erst 5 Jahre später eine Hochvolt-Therapie-Anlage installiert. Aufgrund steter Schwierigkeiten mit den Krankenkassen wurden zeitweise alle im städtischen Krankenhaus stationär liegenden RVO-Kassenpatienten in der Praxis kostenfrei bestrahlt.

Solides Praxiswachstum durch erstklassige medizinische Leistungen, die immer auf dem neuesten wissenschaftlichen und technischen Stand waren und die stets sorgfältig dokumentiert wurden, waren ihm wichtiger als kurzfristiger Gewinn. 1968 wurde, ein seinerzeit sensationelles Röntgenuntersuchungsgerät mit Fernsteuerung und Fernseheinrichtung – ein Siregraph – gekauft und als erstes Gerät in Deutschland in unserer Praxis in Betrieb genommen. Dies Gerät ermöglichte eine Vielzahl von Routine- und Spezialuntersuchungen, ohne das der Arzt einer Strahlenbelastung ausgesetzt war. Es wurde zum gleichen Zeitpunkt eine erste Entwicklungsmaschine in Betrieb genommen, in der Röntgenfilme automatisch durch das Entwickler- und Fixierbad und auch durch eine Trockenkammer geleitet wurden. Zuvor wurden Röntgenfilme von Hand entwickelt und an Wäscheleinen aufgehängt, wenn der Trockner ausfiel. Während in früheren Jahren die weibliche Brust mit konventioneller Technik (dabei wurde ein Tubus an die Röntgenröhre geschraubt) untersucht wurde, konnte 1970 ein erstes reines Mammographiegerät mit erheblich besserer Bildqualität in Betrieb genommen werden.

Der erste Ganzkörper-Computer-Tomograph (CT) im nördlichen Rheinland-Pfalz (1977)

Der erste Ganzkörper-Computer-Tomograph (CT) im nördlichen Rheinland-Pfalz (1977)

Nach dem Ausscheiden aus dem Dienst der Stadt Koblenz bei Erreichen der Altersgrenze wurde die Einzelpraxis in eine Radiologische Gemeinschaftspraxis umgewandelt. Es wurde eine radiologische Belegarztabteilung im Heilig Geist-Krankenhaus in Boppard der Praxis angeschlossen. So bestand weiterhin für ihn die Möglichkeit, Patienten mit umschlossenen und offenen radioaktiven Substanzen zu behandeln. Im Jahre 1977 wurde der erste Ganzkörper-Computer-Tomograph (CT) im nördlichen Rheinland-Pfalz installiert.

Dr. von Essen hatte zu diesem Zeitpunkt schon klar gesehen, dass der neu entwickelten Computer-Tomographie-Technik die Zukunft gehörte. Die nuklearmedizinische Abteilung wurde 1980 durch eine Großfeld-Gamma-Kamera ergänzt. Die Gemeinschaftspraxis war inzwischen erheblich gewachsen. Neben Dr. von Essen waren Herr Dr. Georg Blum seit 1976, sein Sohn Dr. Heribert von Essen seit 1978 und Herr Dr. Peter Kurtenbach seit 1981, jeder Radiologe mit unterschiedlichem fachspezifischem Schwerpunkt, in der Praxis tätig. Es waren zudem ein Physiker, Herr Dr. Frank Teschke (seit Juli 2005 im Ruhestand), zuständig für die medizinisch-physikalische Abteilung und die onkologische Dokumentation, sowie eine Vielzahl von Arzthelferinnen und medizinisch- technischen Assistentinnen und sonstigen Mitarbeiterinnen und Herr Alex von Essen als Betriebswirt, zuständig für alle kaufmännischen Angelegenheiten und den Betriebsablauf, im Institut tätig. Eine onkologische psycho-soziale Nachsorge wurde von Dr. von Essen für seine Tumorpatienten im Rahmen der Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz, deren Vorsitzender er lange Jahre war, in der Praxis eingerichtet. Darüber hinaus war es ihm für die Strahlentherapie seiner Praxis sehr wichtig, mit einem übergeordneten Tumorzentrum zusammenzuarbeiten. Sein Institut war der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren angeschlossen und wurde als einzige Einrichtung frei praktizierender Ärzte als onkologischer Schwerpunkt anerkannt und geführt.

Erweiterung der Strahlentherapie durch einen weiteren Linearbeschleuniger (1993)

Erweiterung der Strahlentherapie durch einen weiteren Linearbeschleuniger (1993)

Im Herbst 1993 wurde, wieder nach sehr umfangreichen Baumaßnahmen, insbesondere wegen des Strahlenschutzes, ein Linearbeschleuniger in Betrieb genommen. (Bild rechts mit Blick in die Baugrube)

Zu diesem Zeitpunkt war das ärztliche Team um Herrn Dr. Joachim Engelhard (Radiologe) 1987, Herrn Dr. Wolfram Schaeben (Radiologe) 1989, Herrn Dr. Burkard Oeser (Radiologe) 1991 sowie den Strahlentherapeuten Peter Müller 1992 gewachsen. Im Rahmen der Weiterbildung waren zudem verschiedene Assistenzärzte wie Frau Dr. Marie-Luise Leister im Institut tätig. Das Team wurde 1999 um Herrn Dr. Harald Wilbert (Nuklearmediziner) und den Physiker Herrn Heinz-Friedrich Steinecke. Herr Steinecke übernahm später die Nachfolge von Herrn Dr.Teschke. Ein weiterer Physiker, Herr Dr. Oliver Kenn, nahm seine Tätigkeit im Jahre 2003 auf. Im Rahmen der Erweiterung der Strahlentherapie durch einen weiteren Linearbeschleuniger trat Frau Dr. B. Küstermann am 1. April 2005 der radiologischen Partnerschaft als niedergelassene Strahlentherapeutin bei und wechselte später in ein Angestelltenverhältnis. Sie ist bis heute noch in unserer Praxis aktiv zum Wohle der Strahlentherapiepatienten.

Nachdem die Nachbarn im Haus Emil-Schüller Straße 33, die Firma Järgen, später Firma Alex, ihren Firmensitz verlegt hatten, konnte dieses Gebäude, ebenfalls wieder nach umfangreichen Umbauarbeiten, ab 1995 von der Gemeinschaftspraxis angemietet werden. Hier wurde erneut in die Zukunft investiert, wohl wissend, dass sich über kurz oder lang die finanziellen Möglichkeiten im medizinischen Bereich erheblich verschlechtern würden. Die EDV wurde zu diesem Zeitpunkt wesentlicher Bestandteil des Betriebsablaufes. Heute verfügt die Praxis über ein Radiologisches Informationssystem (RIS) und ein Bildspeichersystem (PACS).

Im Jahre 2003 wurde eine weitere technische Neuheit, ein Computertomograph mit dem Namen „Sensation 10“ in die Praxis eingebaut. Das CT-Mehrschichtsystem verfügt über eine Software mit integrierter 3D-Bildverarbeitung, die kurze Gesamtuntersuchungszeiten gewährleistet.

Die Gemeinschaftspraxis wurde nach dem Ableben von Dr. Alex von Essen 1989 von seinen damaligen Partnern übernommen und weiterentwickelt. Von 180 qm in der Löhrstraße ist die Praxis heute auf über 4.000 qm gewachsen. Begonnen wurde das Unternehmen mit einem Team von 5 nichtärztlichen Mitarbeiterinnen. Heute zählt das Praxisteam etwa 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wobei Frau Edith Pörsch, Frau Sabine Voigt und auch Frau Andrea Schmitt seit mehr als 25 Jahren in der Gemeinschaftspraxis tätig sind.

Nun sind Sie einem halben Jahrhundert Praxis- und Medizingeschichte gefolgt. Sie sehen ein Institut als jahrzehntelangen Anlaufpunkt für Patienten und Ärzte in Koblenz und seinem Umland, ein Unternehmen im Wandel der Zeiten, der gesellschaftlichen und demographischen Entwicklung.

Unter den Bedingungen der Ausweitung des medizinischen Wissens und der Differenziertheit und Kompliziertheit der Untersuchungstechniken rücken wir mit unseren Kolleginnen und Kollegen in nah und fern zusammen.

Es gilt in schwieriger werdenden Zeiten unsere Zusammenarbeit zu aller Nutzen mit Krankenhäusern und Praxen unseres Raumes zu erweitern, um eine erfolgreiche, facettenreiche, ineinandergreifende und gleichzeitig bezahlbare medizinische Versorgung zu gewährleisten.

Auch heute entspricht das Ziel unserer ärztlichen Tätigkeit der Maxime des Gründers:

Hohe Qualität der medizinischen Arbeit, optimaler Einsatz der medizinischen Technik und gleichzeitig engagierte menschliche Zuwendung.

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